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| d' Markdorfer Fasnachd |
| von Zunftarchivar Manfred Ill |
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| Chronik der Markdorfer Fasnacht |
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| Die Fasnachtsteche "Scheublintisch" von 1488 |
| Im Jahre 1488 wurde in Markdorf eine Fasnachtszeche gegründet, die sich "Bruderschaft zum Scheublinstisch"
(Scheublin = rund) nannte. In der Fasnachtszeit traf man sich an zwei Tagen zu einem gemeinsamen Essen.
Die Mitglieder bildeten eine Herrengesellschaft, in der Bürgermeister, Räte, Schulmeister und Geistliche
vertreten waren, wie die 12-seitige Chronik aus jener Zeit berichtet. Bis 1666 lässt sich der Brauch nachweisen,
zu dem Stadt und Pfarrei St. Nikolaus jährlich eine Spende gaben. |
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| Fasnacht im 18. Jahrhundert |
| Wie der Schriftwechsel zwischen dem bischöflichen Obervogt Buzorini und der Stadt Markdorf von 1761 aufzeigt,
gab es damals ein Fasnachtsspiel und einen Umzug, der von den ledigen Burschen ausgerichtet wurde. Danach traf man
sich zum Tanz in der städtischen Trinkstube, schenkte dort ihren eigenen Wein aus, worüber es zum Streit mit den
örtlichen Wirten kam. Doch sowohl der Obervogt, der in Markdorf die Interessen des Bischofs vertrat, als auch
Bürgermeister und Rat stellten sich hinter das althergebrachte Brauchtum der jungen Burschen. Zwar war der
bischöfliche Rat in Meersburg dagegen, doch liess man der Fasnacht letztlich freien Lauf. |
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| Fasnacht vor 250 Jahren |
| Zahlreich sind die Nachrichten über das Fasnachtsgeschehen im letzten Jahrhundert, vor allem weil durch
Streitigkeiten die Hintergründe nun aktenkundig wurden und im Großherzoglichen Baden alles sorgfältig registriert
war. Die Junggesellen sammelten für die Durchführung eines Umzugs und für ein Fasnachtsspiel, dessen Programm
von 1847 erhalten blieb: "Hirlanda, Herzogin der Bretagne" oder "Der Sieg der Tugend und Unschuld" wurde als
"eine erbauliche Geschichte aus dem Altertum" aufgeführt. Es war ein dramatisches Ritterspiel, ganz im Stile
jener romantisierenden Zeit. |
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| Markdorfer Fasnachtsfiguren |
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| Hänsele |
Der Hänsele wird erstmals im Ratsprotokoll vom 3. Januar 1793 genannt, als man das Tragen "aller Art Masquen,
Fleklekleider oder wie sie immer Namen haben ..." verbietet, wegen der Kriegszeit im Gefolge der
französischen Revolution.
Später wird vom "Hänsele oder Narrenlaufen" gesprochen, dem dann 1840 eine feste Ordnung
gegeben wurde. Nach dem grossen Stadtbrand von 1842 wird in der folgenden Fasnacht das "Maskenlaufen, Hänselelaufen,
Narrenpeitschen oder auch Geiselen" verboten, der erste Hinweis auf die Karpatsche. Die Stoffmaske, später
Drahtgittermaske ist seit den dreißiger Jahren durch eine bunte Ledermaske ersetzt. Die "Flekle" von einst sind von
vielfarbigen Filzplätzle abgelöst worden. |
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| Kaujohle |
| Der Kaujohle ist einer alten Markdorfer Sage entnommen, wonach ein Förster zur Strafe im Wald "Gehau" nachts
herumstreifen muss und die Menschen durch sein unheimliches Johlen erschreckt. 1938 trat der Markdorfer Maler
Eugen Brutsch erstmals als "Kaujohle" und Einzelfigur auf. Nach dem Krieg bildete sich daraus die Kaujohlegruppe,
heute die stärkste Maskengruppe mit über 200 aktiven Maskenträgern. Im Kaujohlehäs können auch
Frauen mit dabei sein, wogegen der Hänsele mit seiner Karpatsche eine reine Männerfigur geblieben ist. |
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| Narreneltern |
| Die Narreneltern werden in Markdorf generell von zwei Männern dargestellt. Bis vor den ersten Weltkrieg war der
Narrenvater auch Leiter der lokalen Fasnacht, heute gibt es einen Zunftmeister mit Präsidium sowie Narrenrat. |
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| Narrenbüttel & Narrenpolizist |
| Der Narrenbüttel und der Narrenpolizist sind als originelle Einzelfiguren seit über 100 Jahren bekannt. |
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| Schlossgarde |
| Die Schlossgarde, bestehend aus rund zehnjungen Mädchen, führen auf der Bühne und beim Umzug ihren Gardetanz mit
Hellebarden auf. In der Fasnacht selbst bilden sich immer wieder aus der Bevölkerung heraus einzelne Gruppen,
die aktiv oft Jahrzehnte mit wechselnden Kostümen und Ideen bei Bällen, Umzügen und der Strassenfasnacht auftreten.
Im Jahre 2000 wird einen neue "Traditionsfigur", die "Altmarkdorfer" ihr Debüt haben. |
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| Vermessungstrupp |
Eine ganz besondere Clique in der Markdorfer Fasnacht Im Jahre 1937 trat erstmals eine "Vermessungskommission" auf,
die beim Narrenbaumsetzen mit ihren Einfällen den Ablauf begleitete und bereicherte, so berichtet die Markdorfer
Chronik aus jenem Jahr.
Nach dem Krieg nahm sie ihre Arbeit schon 1947 wieder auf und war zunächst ein loser "Haufen"
von nicht immer feiner Art, wodurch man sich manchen ärger einhandelte. Nach und nach ergab sich eine feste Kleidung und
ein gezügelter Ablauf bei ihrem Auftreten. Unter dem Obervermesser Karl Restle, der 1958 Max Klotz abgelöst hatte,
trug man nun einheitlich weisse Mäntel und bald darauf legte man sich ein Häs aus rotem Wollstoff mit schwarzen Streifen
zu. Dazu kamen weisse Hosen und als Kopfbedeckung hatten alle eine englische Melone. Bei der Rathausbestürmung und
Absetzung des Bürgermeisters und der Stadtverwaltung hat der Vermessungstrupp seinen grossen Tag.
Aus dem ursprünglichen Fahrzeug, einem Anhänger mit schräg gestelltem Balken, auf dem ein Dutzend Vermesser sass, wechselte man 1969 auf ein
Spezialfahrzeug, bestehend aus einem Einachsschlepper mit langem Rohr und Hinterachse. An dem Rohr waren seitlich Sitze
angebracht und das Ganze wurde von einem Baldachin in rotweissen Farben überdacht. Vergeblich kämpfte das Rathaus jedesmal
gegen die Vermesser, die stets Sieger blieben und den Bürgermeister gefangen nahmen und er eine Busse zahlen musste. Immer
wieder neue Einfälle machten ihre Auftritte zum sehenswerten Ereignis. Mit Nebelwerfern wurde das alte Rathaus gestürmt, mit
einem Kranen die Kutsche der Narreneltern samt Inhalt auf das Rathausdach gesetzt. Aber auch völlige Verachtung zeigte man
den Herren der Stadt und der Zunft, als diese einen "Empfang nur für geladene Gäste" einführten. Die Vermesser lenkten den
Narrenbaum nicht am Rathaus vorbei, sondern kamen von oben her auf den Marktplatz und verblüfften Herren im Rathaus blieben
allein, denn alles Volk verließ den Rathausplatz umgehend. Aus dem einst losen, ja undisziplinierten
Haufen war im Laufe der Zeit eine verschworene Gemeinschaft entstanden, die sich unterm Jahr regelmässig traf und Ausflüge
unternahm. Nicht nur in die nahe Umgebung, sondern bis nach London (1988) und in die Slowakei (1993) wurden diese ausgedehnt.
Wo die Vermesser mit rotschwarzer Weste, weissem Hemd, schwarzer Hose und Melone auftraten, folgten ihnen die Blicke. Die
Zusammensetzung umfasste alle Kreise: Alt und Jung, Unternehmer und Normalverdiener.
Doch Neuzugänge gab es kaum oder sie hielten sich nicht lange bei der Clique. "Man soll auf dem Höhepunkt aufhören", war der
weise Entschluss und die Vermesser erklärten der Zunftleitung am 1. April 1992 in einem Brief, dass sie als Aktive aufhören werden.
Als "Altvermesser" wolle man in "Pension" gehen, aber trotzdem als Clique bei einander bleiben. Doch siehe da: 1994 fand sich unter Clemens Scheidweiler
ein Jungvermessungsrat zusammen, der in die Fußstapfen der Alten trat und schnell zu einer sehr aktiven, ja man kann sagen
"elitären" Gruppe in der Zunft wurde.
Nicht nur, dass man die Tradition am Tag des Narrenbaumsetzens excellent fort führte
und unterm Jahr eine gute Kameradschaft zu den Altvermessern hielt, es kamen neue Aktivitäten dazu: Mit einem "Zäpflefest"
auf den Wiesen südlich von Markdorf zogen die Jungvermesser im Sommer viele Besucher an und machten dabei auch Geld.
Doch nicht nur für einen Ausflug nach Mallorca oder sonstwohin wurde es ausgegeben, auch für soziale Zwecke im Altersheim oder
Krankenhaus spendeten sie. Aus rund 20 Mann besteht der Jungvermessungsrat heute, mit Sitz und Stimme im Zunftrat und belebt
von einer Fortführung alter Tradition mit viel Freude und in bester Manier. |
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| Ablauf |
| Der Ablauf der Fasnacht entspricht weitgehend süddeutschem Brauch. Narrenbaumsetzen, Umzug, freies Narrentreiben
am "verrückten Mäntig" aber auch Bälle, Besuche bei anderen Zünften, Dreckkübelgeschwätz und Fasnachtverbrennen
gewähren dazu. Die Narrenzunft Markdorf ist seit 1929 Mitglied der "Vereinigung Schwäbisch-Allemannischer
Narrenzünfte". |
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